Tag 44: 24

5:00 Uhr… Ich erwachte. Warum eigentlich? Achja, ich fahre, bezw fliege ja heute nach Hause. Verdammt, ich will nicht fliegen. Aber es war die günstigste Alternative und morgen ist schon wieder Dienstbesprechung… Also muss ich wohl… Um 6 geht der Busshuttle.. Um 9 der Flug. Ich steh also auf und packe meine Sachen. Vermutlich wecke ich dabei das halbe Hostel.

5:25 Uhr. Ich sitze in der Küche und verbrühe mich fürchterlich an meinem Kaffee. Plötzlich steht vor mir ein Asiate und fragt mich, ob es okay ist, wenn er jetzt ginge. Ich überlege kurz, ob ich „Nein“ sage, sage dann aber doch „Ja“. Vermutlich war das komplett außerhalb meiner Kompetenzen als Hostelgast und ich frage mich, warum er mich das überhaupt fragt. Vielleicht wurde er als Sklave gehalten oder war so n Untergrundsushikoch… Keine Ahnung. Er nickt erleichtert und geht und ich verbrühe mich erneut an meinem Kaffee.

5:35 Uhr. Ich verlasse das Hostel, schlage mich zum Abfahrtsort durch und stelle fest, dass in der ganzen Innenstadt das Licht, also auch die Straßenbeleuchtung aus ist. Das ist ungewohnt, aber ich habe Atapuerca überlebt, da ist sowas n Klacks. An einem beleuchteten Hauseingang steht eine Gruppe Leute und guckt mich finster an. Nur deshalb schaue ich, was sie da tun… Sie haben säuberlich 2 Lines Koks auf ner Kreditkarte. Ich gehe weiter und freue mich, dass ich zuwenig Geld habe um ausgeraubt zu werden.

6:00 Uhr… Ein viel zu gutaussehender Mensch verkauft mir ein Ticket zum Flughafen. Ich steige in den Bus und überlege kurz, ob ich ihn frage, ob er nicht mitkommt. Ich verwerfe den Gedanken als hinter seinem gutaussehenden Äußeren ein finsterer Raucherhusten zum Vorschein kommt, den er hastig mit einer Zigarette zu lindern versucht.

6:10 Uhr: Es regnet.

6:29 Uhr: mir fällt auf, dass ich in einem Bus mit USB Anschluss sitze. Ich überlege mir, ob man erst auf Stop drücken muss, dann hält der Bus an und man kann sein Handy laden? In Spanien wäre das denkbar, doch um 9 geht mein Flug.

7:00 Uhr. Ich bin noch nie geflogen und verursache ein mittleres Chaos, als ich in den Boarding Bereich gehe und frage, ob es okay ist, wenn ich ein Messer im Rucksack habe. Ich bin plötzlich von aufmerksamen Uniformträgern umringt. Es stellt sich heraus, dass ich nur mit Handgepäck dort rein darf. Ich muss mein Gepäck vorher aufgeben. Hat mir keiner gesagt. Ich verlasse den Boardingbereich und habe keine Ahnung wo ich hingehen soll. Mehrere Uniformen weisen mir den Weg. Warum immer so ein Aufruhr, wenn ich irgendwas mit Sicherheitskontrolle mache?

7:46 Uhr… Habe mein Gepäck ordnungsgemäß aufgegeben und bin im Boarding Bereich angekommen. Um mich sind immer Leute in Uniform. Zufall? Ich geh auf Toilette. 2 Uniformen auch. Ist es weil ich paranoid bin, oder weil ich gefragt habe, ob n Messer im Rucksack okay ist? Ich will nicht fliegen. Ehrlichgesagt habe ich Angst und n flaues Gefühl. Aber ich zieh das jetzt durch.

8:52 Uhr… Ich sitze im Flugzeug und frage mich warum? Wäre es nicht angenehmer gewesen, mit den finsteren Gestalten in Santiago zu koksen, statt in ein Flugzeug zu steigen? Fakt ist… Ich kokse nicht und es ist mir lieber, 800km zu Fuß durch Spanien zu laufen, statt zu fliegen… Aber da muss ich jetzt durch.. Gut dass ich abgenommen habe… Die Sitze sind sehr klein. Was der Asiate wohl grad macht?

9:05.Uhr…es ist wie im wahren Leben… Das ganze Flugzeug ist voll, nur in meiner Reihe sitzt niemand… Aber ich rieche auch nach Jakobsweg und sehvor allem auch so aus… Scheiße, bin ich aufgeregt… Zum abhauen ist es jetzt wohl zu spät

9:10…oh gott… Es geht los 😱😱😱😱

9:25 Uhr… Von hieraus sehen die Ameisen aus wie Menschen.

9:38 Uhr.. Ich bereue meinen dummen Scherz als das Flugzeug wackelt. Es wird einem schnell bewusst, dass man in einem wackelden Flugzeug sitzt. Niemand schreit. Ich zwinge mich zur Ruhe.

10:25 Uhr… Das Flugzeug landet… Und ich muss gleich in noch eins. Warum???

10:28 Uhr. Ich frage mich, was Madrid je zur Weltgeschichte beigetragen hat, aber ich werde es nicht googeln.

10:55 Uhr. Die App von Iberia sagt mir, dass ich in Madrid bin. Wenigstens einer, der weiß wo ich bin. Die App sagt, ich muss zu Gate J41. Vielleicht sollte die App für mich fliegen. Sie ist viel besser organisiert als ich.

10:56 Uhr. Ich esse eines meiner selbstgemachten Käsebrote und fühle mich wie Rübezahl, da alle mit Starbucks Kaffee und Edelsnacks an mir vorbeigehen. Sehe einen Asiaten und überlege ihn zu fragen, obs dem Asiaten von heut morgen gut geht. Ich sehe dann aber ein, dass man Witze an Flughäfen nicht machen sollte, wenn man schwarze Haare und n Dreitagebart hat. Und kaputte Schuhe. Und ne Plastiktüte mit Käsebroten.

11:03 Uhr. Ziehe ein Leben in Madrid auf dem Flughafen in Erwägung. Was Tom Hanks kann, kann ich schon lange.

11:04 Uhr… Verliebe mich etwa 3 mal unsterblich in unterschiedliche Leute auf den Weg zum Gate… Wie das Klingt… Gate… „Ja, du, ich kann grad nicht reden, ich bin auf dem Weg zu meinem Gate.“

11:06 Uhr… Denke über Kalauer mit dem Namen Madrid nach. „Madrid man und mal wird man getreten.“ Mehr fällt mir nicht ein. Ich bin in einem kreativen Tief. Ich hoffe, wenigstens Stefan lacht drüber.

11:24 Uhr… Hab mein Handy mitten in der Halle liegen lassen. Als ich es 20 Min später merke und zurückgehe, liegt es immer noch da. Was ist nur aus dieser Welt geworden… Wenn man nicht mal mehr sein Handy wo liegenlassen kann, ohne dass niemand es mitnimmt.

14:57 Uhr… Ich bin trotz aller Befürchtungen gelandet… Lebendig. Wundere mich selbst darüber. Schön ist aber was anderes.

15:12 Uhr… Was ist bloß aus dem Asiaten geworden?

15:29 Uhr… Wollte Schwarzfahren zum Bahnhof und hab mich nich getraut… Ich werde alt. Endlich wieder in Deutschland und um 18.38 endlich in Hannover

16:20…Hamburg Hbf… N Typ kommt zu mir an und sagt: „Entschuldigung…“ Ich reflexartig:“ Ey ich bin sau pleite.“ Er:“Wohoooooo… Du weißt doch garnicht was ich will, yo.“ Ich:“ Stimmt, hast recht. Was willst du denn?“ Er:“ Hast du 17 Euro für mich?“ Ich:“ What the fuck… Warum 17?“ Er:“ Weil ich dann nur einen fragen muss. Sonst müsste ich 17 Leute nach nem Euro fragen… “ Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte, hatte aber selbst nurnoch 6…

17:29 Uhr… Esse ein Kaäsebrot und finde es interessant genug für diesen Blogeintrag.

16:34 Uhr… Lese meinen Blog nochmal durch und muss lachen. Aber es ist echt alles genau so gewesen.

17:26 Uhr… Sitze im Zug nach Hannover. Neben mir einer dieser Menschen, der Angst hat keinen Platz zu kriegen auch wenn er reserviert hat. Frage mich, wo das angekündigte deutsche Winterchaos ist? Wahrscheinlich in Galicien

18:38 Uhr… Endlich Hannover. Eine Frau fragt mich, aufgrund der Muschel an meinem Rucksack, ob ich grad zum Jakobsweg fahre. Ich sage ihr, der Camino ist in meinem Herzen und wir reden kurz darüber.

18:43 Uhr, Melanie fällt mir überraschend um den Hals.. Nach uns nach trudeln all diese tollen Leute ein, die ich heute wieder ein Stück mehr ins Herz geschlossen hab. Wie gut es doch tut, wo anzukommen und erwartet zu werden…. Und freundlich begrüßt… DANKE Euch! Es gab Sekt in Prinzessinnenbechern 🙂 Genau das, was ich brauchte. Muss an den Asiaten denken.

20:00 Uhr und folgende Minuten… Gefräßiges Schweigen legt sich über die Runde. Diese Pizzen sind genau das richtige. Und es tut gut, nicht so im Mittelpunkt zu stehen. Es ist genau so, wie ich es mir gewünscht habe

Nomnomnom

21:17… Ich beschließe morgen in Asien anzurufen und mich nach dem Asiaten zu erkundigen.

21:30 Uhr… Ich beschließe die letzten 4 km nach Hause zu gehen. Als Abschluss. Ich bin gerade sehr dankbar. Für das Abenteuer, für meine Freunde, für den Abend. Für den Blog. Es hat Spaß gemacht, wie ihr alle daran teilgehabt habt und mitgefiebert habt. Das hat mich gepusht und mir Energie gegeben. Es war toll zu wissen, dass ihr mitlest. DANKE. Und heute nun geht diese Reise auch zuende 🙂 mit einem weinenden und vielen lachenden Augen… Auch wenn ihr nur Mitleser wart, es hat Spaß gemacht mit euch. Ich werde euch vermissen. Der Jakobsweg ist jetzt vorbei. Was bleibt? Das wird die Zukunft zeigen , aber ich weiß jetzt schon.. Es wird etwas schönes sein und dafür bin ich dankbar. Ich habe mir eine tolle und positive Erinnerung geschaffen.

22:30 Uhr… Ich komme Zuhause an. Mein Mitbewohner gibt mir eine Orange und sagt „Willkommen daheim“. Vor meiner Tür steht als Weihnachtsgeschenk ein Deo. Genau das, was ich hrauche. In meinem Zimmer er: Saubere Socken… Ich bin im siebten Himmel.

23:08 Uhr…. Es wird Zeit Tschüß zu sagen. Danke für die tolle Zeit. Danke an meine Family und meine Freunde und Danke auch mal an. Mich… Ich glaube, das habe ich viel zu selten zu mir gesagt… „Eigentlich bist du schon ganz gut so. Schön, dass es dich gibt“… Und danke an den Erfinder der PIZZA

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Ein Kommentar zu „Tag 44: 24

  1. Danke fürs Mitnehmen und was für eine grandiose Frechheit, dass du nicht verraten hast, dass du in Hamburg landest.
    Ich wäre zum Gate gekommen! Mit ner Pizza in der einen und nem Asiaten in der anderen Hand! Word! Jetzt sind unsere Blogs also am gleichen Abend zu ihrem Ende gekommen. Du live und ich zeitversetzt. Ich bin sehr gespannt, was der Camino Dir noch nachträglich beschert. Aber jetzt: genieß das warme Bett und akklimatisiere dich bis morgen. 🥾😊

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