Tag 42: This is the End, my only Friend, the End…

Puh… Ich bin heute so müde und leer, dass ich garnicht weiß, wo ich anfangen und aufhören soll. Mein letzter Blogeintrag wird Sonntag mit dem Wort „Pizza“ enden und heute? Heute bin ich seltsam leer und gleichzeitig voll. Ich hatte mich schon seit einigen Tagen mit dem Abschluss des Camino auseinandergesetzt und für mich ist ein solcher Schlusspunkt auch wichtig. Nicht weil ich kaputt bin, ich könnte noch n paar Wochen. Es ist einfach als Symbol wichtig. Dinge beenden, abschließen. Neuen Türen und Räumen die Chance geben. Ich hab selten was angefangen und beendet. Nicht so. Ich hab das hier durchgezogen, wie Volker Beck ne Line Crystal Meth… Ich Habs angefangen, durchgezogen und es ist wichtig es zu beenden und etwas neues zu beginnen. Das wollte ich in Finisterre tun, aber auch Finisterre ist da nur ein Symbol für. Ich kann das überall tun. Und darum muss ich heute oder morgen symbolisch sterben. 🙂 Und das meine ich positiv. Denn der Tod bedeutet nicht nur Ende, sondern auch Neubeginn. Nach jedem Ende der Welt gingen die Hopi Indianer in eine neue Welt. Und nach Ragnarök wird eine neue Welt beginnen… Darum ist es gut, symbolisch zu sterben, damit ich Sonntag, wenn ich vor meinen Freunden stehe und sie mich hoffentlich mit Rotkäppchensekt übergießen, wiedergeboren werde. Und bis dahin… Will ich tot und unberührt sein 🙂

Doch zuerst einmal erwachte ich und machte mir einen Kaffee. Die letzten 20km nach Santiago de Compostela standen bevor. Endspurt. Ich dachte mir, die reiße ich auf einer Backe ab, aber in Wirklichkeit zog es sich heute noch mal ganz schön 🙂 Aber das ist okay. ICH war chillig unterwegs.

Ich entfleuchte aus der abgewrackten Albergue und orientierte mich ein letztes Mal an Wegweisern und Pfeilen. Es ist schön krass, man wandert 800km und verläuft sich kaum, nur weil man aufgemalten Muscheln und Pfeilen folgt. Wer immer das aufgebaut hat, pflegt und weiterführt: Danke und Respekt! Es war ne coole Erfahrung mich ganz darauf einzulassen.

DerWeg ging heute wie gewohnt auf und ab und… Es regnete Nicht!!! MONN DJÖH! Es war trocken… Sicher ein Tag, der als Galicisches Wunder in die spanischen Annalen eingehen wird.

Ich hing meinen Gedanken nach und dachte eigentlich nix weltbewegendes. Ich hätte hier jetzt gerne die totale Erkenntnisstory rausgeholt, aber heute war da nich viel. Heute war ich echt mit Ankommen beschäftigt.

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Ich bräuchte etwa 4 Stunden mit Kaffeepause 4,5 und dann war ich irgendwann endlich da… Santiago de Compostela… Nach 799km und so vielen Tagen und Erlebnissen… Ich wartete auf das große Gefühl, aber da war nix.. Ich war gechillt.

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Und dann passierte das, was mir zwei spanische Pilger prophezeit hatten. Sie sagten: „Du wirst Santiago hassen.“ Ich winkte ab und sagte: „Ach waaaas…“… Doch sie sollten Recht behalten.

Man kommt in die Stadt.. Und man sieht die Kathedrale nicht und dann läuft man… Eeeeewig… Immer den Pfeilen nach… Bei jeder Ecke denkt man, sie müsste doch mal kommen… Aber nix da… Ich hasste es… Und war richtig gefrustet… Nach gefühlten erneuten 799km, sagte mir eine Frau: „Noch 300 Meter.“ und selbst dann sah man sie noch nicht. Aaaahhhhh!!! Doch irgendwann stand ich doch vor der Kathedrale und wusste: Ich Habs geschafft. Ich bin den Jakobsweg gegangen. Ich habe diese ganzen Tage, Wochen und Kilometer geschafft… Wahnsinn… Ein emotionaler Moment. Sogar eine Träne rollte..

Ich hatte es geschafft und war stolz auf mich. Ich traf einige Pilger wieder, die ich vom Weg kannte und… Ja, es war ein emotionaler Moment. Is so. Jemand sagte sagte später, er hätte nicht gedacht, dass ichs schaffe. Aber genau deswegen habe ich es getan. Um mir selbst zu beweisen, dass ich Entscheidungen treffen und durchziehen kann. Und das werde ich künftig öfter tun.

Und ich muss dringend zum Friseur.

Doch erst einmal besorgte ich mir meine Compostela. Die Urkunde, die bestätigt, dass ichs gepackt habe. Eine tolle Erinnerung definitiv. Normalerweise wird die Lateinische Form des Namens eingetragen. Bei mir fand die nix, darum steht mein Name da.

Morgen kann ich liegen bleiben, solange ich will. Und genau das werde ich tun. Wenn es sein muss, bis… Wenn es sein muss stehe ich garnicht auf. Ja, ich denke, das ist ein guter Plan. Nicht aufstehen.

Ich war übrigens noch in der Pilger Messe. Aber dürfte kein Foto machen. Ich war aber auch müde. Morgen geh ich evtl noch mal.

Mal schauen.

Und meine Schuhe? Haben genau bis zum Schluss des Camino s gehalten und nun geht die Sohle ab 😅😅😅

dav

Brave Schuhe. Habt ihr gut gemacht. 🙂 bis morgen.. 💞

Achso… Ich Ende heute mal mit nem Pilgerwitz! Seid ihr bereit? Okay…

Anton, genannt Tünn, aus der Nähe von Köln, ist in Santiago de Compostela eingetroffen. Beim Gang durch die Kathedrale, entdeckte er einen Beichtstuhl mit dem Schild „Deutsche Beichte“. 
Da er auf seinem weiten Pilgerweg viel über sich nachgedacht hatte, fand er die Gelegenheit günstig und betrat den Beichtstuhl. 

Als er anfing „Senior ..“, unterbrach ihn der Priester auf Spanisch: „Wenn Sie auf Spanisch beichten wollen, gehen Sie bitte in einen anderen Beichtstuhl.“ 
Tünn versteht nichts und fängt erneut an „Senior ..“ Wieder unterbricht ihn der Priester. 
Jetzt braust Tünn auf: „Lasse se misch doch endlisch ma ausrede. – Sen Johre hä, dat isch dat lätzte mal jebeichtet han. …

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2 Kommentare zu „Tag 42: This is the End, my only Friend, the End…

  1. Ich gratuliere Dir von Herzen, Du hast es geschafft und ich durfte Dich ein Stück begleiten, danke.
    Als ich das erste Mal dort ankam, war ich zunächst entsetzt: das sollte mein Ziel sein? Das wäre schlimm, wenn ich am Ziel wäre. Jetzt beginnt erst mein Weg, habe ich dann begriffen.

    Dein Pilgerwitz ist klasse 😂🤣

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  2. Danke, ich habe jeden Tag deinen Bericht gelesen und war voll dabei. Alles Gute für Dich. Ich muß noch 3 Monate warten. Am 28.04.2019 breche ich auf.

    PS: Wie viel Gewicht hast du auf dem Weg gelassen? Es waren zwischendurch 10 kg und jetzt?

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