Tag 41: Na also, geht doch….

Sternzeit 24120,19. Persönliches Logbuch des Käptns. Ich habe den Eindruck, ich bin in einer Parallelwelt gelandet, denn heute geschah… Nichts… Also… Oh mein Gott, es nieselte nur und zum Ende hin war es ganz trocken. Ich muss der Sache auf den Grund gehen. Irgendetwas stimmt da nicht.

Doch zuerst einmal erwachte ich, schloss kurz die Augen und stellte nach gefühlt 1 Minute fest, dass anderthalb Stunden vergangen waren. Es war halb 8. Um 8 musste ich aus der Albergue. Alle schliefen noch. Nur ein Spanier stand nackt im Schlafsaal, doch das tat er gestern Abend auch schon.. Heute hat er auch einfach so… Also er lief 20 Meter vor mir, blieb stehen und pinkelte mitten auf einer Brücke auf den Weg… Keine Ahnung, was da bei ihm ging. 🤔😅

Ich jedenfalls, sprang behende und grazil aus dem Bett und glitt wie ein Beutelhörnchen aus dem Schlafsaal. Okay, ein 190cm Beutelhörnchen. Ein 190cm Beutelhörnchen mit riesigem Rucksack. Mir fiel mega viel runter und ich machte einen riesen Krach. Das tat mir leid, denn ich bemühe mich sonst echt leise zu sein. Aber es war auch schon halb 8. Das war verzeihlich.

Heute stand die vorletzte Etappe an. Morgen erreiche ich Santiago und mein Camino endet. Finisterre fällt aus, aber das Ritual mache ich trotzdem, nur anders und Finisterre hole ich nach. Es sei denn, ich finde jemanden, der zufällig morgen fährt und mich mitnimmt, aber das ist eher unwahrscheinlich. Dennoch bin ich nicht wehmütig oder so. Ich bringe etwas zuende und das ist ein tolles Gefühl. Etwas abzuschließen, es als einmalige und tolle Erinnerung abzuspeichern und Energie und Weiterentwicklung daraus zu gewinnen und zu neuen oder zu anderen Ufern aufzubrechen. Nicht als anderer Mensch, sondern als einer, der viel mehr zu sich selbst gefunden hat. Ich habe hier gemerkt, wie ich funktioniere, bin an und über meine Grenzen gegangen, habe mich in neuen Situationen kennengelernt Und ich glaube, ich weiss jetzt, dass ich garnicht mal so verkehrt bin. Ich habe auf dem Camino zwar einiges falsch, aber doch auch vieles richtig gemacht. Und ich habe mich Herausforderungen gestellt. Ich glaube ich kann mir in einigen Bereichen viel beruhigter Vertrauen und weiss, es kommt vor allem darauf an, aus dem Hier und Jetzt das Beste zu machen. Das ist das beste Fundament für eine gelingende Zukunft.

N Fazit aus dieser Reise zu ziehen wird dauern. Dazu war sie zu groß und zu lange. Das braucht Zeit. Und jetzt freue ich mich erstmal auf Zuhause. N Eigenes Zimmer. Eigenes Bett. Ne Heizung, die geht. Und auch Nachts, wenn ich will. Ne gute Dusche. Ne Küche mit Töpfen. Eigentlich habe ich vieles, mit dem ich zufrieden sein kann. Es ist toll, das mehr Wertzuschätzen.

Ich habe mir vorgenommen wieder Musik aufzunehmen und noch was anderes 🙂

Das Wetter heute war ungewöhnlich. Ich glaube, Galicien hat eingesehen, dass es mit einer Antihaltung nicht weiterkommt. Es zeigte sich heute einsichtig und das funktionierte auch. Ich konnte tatsächlich den Reiz Galiciens etwas erahnen.

Es nieselte nur leicht und ich kam gut vorwärts. Eigentlich gab es heute kaum was, was wirklich schwer oder anstrengend war. Es hat Spaß gemacht, zu wandern und heute war es schade, dass es bald vorbei ist. Aber der Harz ist direkt vor der Haustür. Warum in die Ferne schweifen…

Nach und nach erreichen mich Bilder und Videos von Leuten, die in Santiago ankommen und das ist toll. Wir sind so einen weiten Weg gegangen. Es ist schön, diesen Erfolg zu haben. Ich werde Maritas Rat befolgen und mir morgen in Santiago dort ein Omelette in einer bestimmten Bar gönnen. 🙂

Ansonsten erspähte ich tatsächlich den Reiz Galiciens und das war cool und ich danke dem Camino Gott dafür. Die Natur ist sehr gewaltig hier, die Luft sehr rein und.. Ja, es ist wirklich grün… Is echt so… Gerade das Wandern in diesen riesigen Bäumen, von denen die Rinde abgeht, macht Spaß.

Das war n toller und versöhnlich er Tag heute und ich freue mich auf morgen. Und auf Übermorgen, denn einige Freunde gehen mit mir Pizza essen und holen mich abends vom Bahnhof ab. Das ist ein toller Empfang und vielleicht das Beste Neustartsritual, was man haben kann. Tausendmal besser als Finisterre. Ich grüße an dieser Stelle mal nach Hannover.

Ich erreichte halbwegs trocken die letzte Albergue vor Santiago. Die hat den Charm einer Nervenheilanstalt, doch… Ey… Ich war in Atapuerca.. Das schockt mich garnicht 😅 ich meld mich dann morgen aus Santiago… Bis dann ^^

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4 Kommentare zu „Tag 41: Na also, geht doch….

  1. Hey, ich wünsche dir für morgen eine superschöne und trockene letzte Etappe und Ankunft in Santiago! Ich werde deine Fotos vom camino echt vermissen! Sie gefallen mir sehr sehr gut. Du hast viele kleine Details eingefangen und Stimmungen, die mich wieder auf den Weg zurück versetzt haben, danke! Heute fand ich die Fotos vom Eukalyptuswald wunderbar, ich habe gleich wieder den Geruch in der Nase – das war im Herbst nach Regen extrem. Ist das im Winter immer noch so? Aber auch deine Erzählungen von Mensch, Albergue und Getier haben mir Spaß gemacht – danke dir dafür, dass du dies hier teilst. Dann für morgen buen camino!
    Jana

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  2. Herzlichen Glückwunsch, Winterwanderer, Regenwanderer, Schattenspringer, glücklicher, stolzer, zufriedener Krischan …
    Der Rest ist ein Klaks, Danke für die ‚Mitwandergelegenheit‘, es war eine Freude dich begleiten zu dürfen … komme morgen gut an dein Ziel und kehre zurück in dein neues, anderes Leben … alles Gute für dich … Ellen
    Guten Weg – Vorwärts

    Gefällt 1 Person

  3. Krischan! Oh Mann. The end is near and so… Mit etwas Glück hast du morgen Frank S im Kopf, während du auf your way ankommst. Ich bin wirklich mächtig stolz auf dich.
    Es ist spannend zu sehen, wie jeder anders mit dem Ende umgeht – sagst du ja selbst. Ich war auf den letzten 100 Camino-Kilometern total traurig, dass es bald rum ist. Auf dem Rheinsteig hingegen erging es mir ähnlich wie dir jetzt. Ich hab mich gefreut, dass es dann jetzt durch ist und war gedanklich auch eher schon zurück in der Zivilisation als vor Ort. Haken dran. Erledigt.
    Die geschälten Bäume sind Eukalyptus – für mich genau wie für Jana der Geruch des Caminos.
    Und ja, warte mal ab, was die Reise dir hinterlässt. Das dauert. Aber auch da bist du auf einem guten Weg, wenn du dich selbst anschaust und so viel Schönes über dich feststellen kannst.
    Konzentrier dich morgen noch mal auf das Hier in Jetzt, das Omelette, deine Schritte und vielleicht auch den besagten Regen und ab dann ist Platz für Pizza, Hannover und eine Wohnung mit Heizung. Wow – da kommen zwei grandiose Tage auf dich zu 😊

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