Tag 40: Mexikaner und Mützen

Das Gute an Alberguen ist, dass man meist in ihnen ist. Besonders, wenn man schläft. Das hat den Vorteil, dass man nicht draußen ist, besonders, wenn man in Galicien ist. Ich hatte mir nach der gestrigen Regenschlacht ja vorgenommen, mich heute mit Galicien zu versöhnen. Ob das geklappt hat? Ihr werdet es erfahren…

Doch zuerst einmal erwachte ich nach einem lustigen Abend mit Mexikanern komischerweise quer in meinem Bett… Wie das gehen konnte… Keine Ahnung… Ich ragte sowohl auf der einen, als auch auf der anderen Seite aus dem Bett und muss ausgesehen haben wie in „Der Exorzist“. Aber die Mexikaner schliefen noch, darum muss wohl alles gut gewesen sein.

Ich hatte mich wirklich gefreut, mal Mexikaner zut treffen und es wir haben viel gelacht. Und mit dem beruhigenden Trommeln des Regens an die Fensterscheiben schliefen wir ein.

Kein Witz.. Ich hatte Abends meine Schuhe versucht mit Silikon abzudichten… Mit dem Resultat, dass das Silikon überall war, nur nicht in den Schuhen… Morgen nehme ich Plastiktüten.

Dennoch Trekkingschuhte ich um halb 9 los Richtung Arzua. Es regnete. Okay, dachte ich, nimmst es sportlich.

Es hochwasserte und matschwegte auch. Dennoch war ich gewillt, dem Tag heute viel positives abzugewinnen, nachdem ich gestern so hart über Galicien abgelästert hatte. Einzelne Sturmboen peitschten übers Land… Egal. Ich war positiv drauf und schoss ein paar Fotos.

Diese herrliche Natur. Der Bauer gestern hatte schon recht…. Es war grün. Jepp.

Dann krachte es etwa 50 Meter vor mir und ein Baum fiel um. Ich beneidete ihn insgeheim, denn er hatte es hinter sich. Doch er hatte auch jahrelang in diesem von Regen geb… Äh… In diesem Moloch aus… Öhm… In diesem von Gott verlassenen Fleckchen… Ne.. In diesem schönen, grünen Land ausharren dürfen (und nicht müssen) und hatte sich eine Auszeit redlich verdient.

Einer der Mexikaner sagte gestern, dass wir auf unserem Weg so viel Glück mit dem Wetter hatten, dass wir uns von Galicien nicht unterkriegen lassen sollten und dankbar sein sollten. Wir starrten ihn finster an und hassten es, dass er recht hatte… Gleichzeitig hofften wir alle, dass uns ein Boot retten würde, wenn wir auf irgendeiner Straße keine Kraft mehr zum Schwimmen hatten.

Ich stiefelte weiter und gab meinen Plan, heute 30km zu gehen auf, als das Wasser seitlich bei jedem Schritt aus dem Schuh herausquoll, ja war echt so… Und ich bereute es, denn mir war vorhin ein unfassbar gutaussehender Nicaraguaner begegnet, den ich dann wohl heute nicht mehr sehen würde. Einer der Mexikaner hinkte sehr und hatte Knieprobleme. Das tat mir leid. Ich gab ihm ne Ibu600 und hoffte, er schaffte es ins Ziel. Er wollte 30km gehen. Ich bat ihn, das zu überdenken, denn der Körper ist hier unser Kapital und das sollten wir schonen. Aber mehr als Raten kann ich ihm nicht, jeder geht seinen Camino.

Ich machte ne Kaffeepause und fand mich in nem interessanten Café wieder.

Dort hingen Mützen und Kappen aus aller Welt. Etwa 2500. Das war ziemlich beeindruckend und einzigartig. Ich ließ meine Mütze da und freue mich, dass sie bd auch dort hängt.

Und dann kam ich an ein Rinnsal, dass bergauf floss. In Galicien wundert mich das nicht, aber es wunderte mich schon.

Nass und gefrustet kam ich nach 15km in Arzua an und war einfach zu nass für 3,5 weitere Stunden. Ich hatte keinen Bock auf ne Lungenentzündung oder so. Hatte ich schonmal, brauch ich nicht wieder.

Ich checkte in die Albergue ein und mehr ist eigentlich heute nicht passiert.

Es kamen nach und nach immer mehr nasse Pilger.

Ah… Audrey… Ich hab heute meine ersten Touriegrinos gesehen ^^ sie kamen mit Busshuttles an, man gab ihnen Wanderstöcke und Ponchos und Muscheln und zeigte ihnen den Camino. Die flöteten „Buen Camino“ und stiefelte los und wurden von den Shuttles kurz vor ner Steigung wieder eingesammelt. Dort flöteten sie wieder „Buen Camino“ und fuhren weg und ich blieb zurück im Galicischen Regen.

Es sind jetzt noch 40km bis Santiago und bei den Göttern, es war und ist ein tolles, spannendes, aufregendes, schönes anstrengendes, lustiges, nachdenkliches, erkenntnisreiches und gewinnbringendes Abenteuer.. Regen hin oder her. 2 Tage noch. Ich bereue nichts 🙂

Aber letztlich begegnete mir dann noch das eine Motiv, dass Galicien in einem Bild zusammenfasst:

Ein Kuhfladen mit einer Pfütze in der Mitte… Gibt es was symbolischeres? 😅😅😅

Ich lasse mir die Laune nicht verregnen und freue mich auf morgen 🙂

Machts Gut

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5 Kommentare zu „Tag 40: Mexikaner und Mützen

  1. Hi Krishan, wir hatten es heute auch wunderbar nass.
    Wir wurden evakuiert, da die Casa Paderborn unter Wasser steht. Der Rio Arga trat über seine Ufer, verwässerte unseren Keller, aber nicht unser Essen.
    Ich hatte heute eine Hühnerbrühe mit viel Gemüse gekocht, als Vorspeise gab es einen Salatteller, zur Nachspeise Vanillepudding mit Schlagsane, in Rum eingelegten Rosinen und Schokostücken. Die Zutaten hatte ich von Zuhause mitgebracht.
    Unser Auto mussten wir schon am Nachmittag an einen sicheren Ort umstellen. Die Polizei hatte uns erlaubt, noch unser Menue zu verzehren, danach mussten wir in die Herberge Jesus y Maria mit 150 Betten umziehen. Ungewöhnliches Gefühl, aus unserer Kuschelherberge hierher zu wechseln, aber gut, dass wir sicher untergebracht sind.
    Es regnet auch in der Navarra 😎

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    1. Uh wie krass ist das denn 😱😱😱😱 aber dein menue klingt ja mal übelst lecker 😍 Jesus y Maria ist aber ne krasse Umstellung… Wie heftig regnet es denn bei euch, sag mal? 😱😱😱 Passt bloß auf euch auf

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  2. … und jetzt bist Du auf der Zielgeraden und ich bin jetzt schon traurig, wenn Du ankommst! Ich bin in Gedanken den Weg mitgegangen (bin ihn letztes Jahr gegangen in März/April gegangen) und habe sowohl Deine fantastischen Bilder als auch Deine kurweiligen Berichte jeden Abend sehr genossen. Da bleibt erstmal eine große Lücke! Von Herzen einen schönen Endspurt und ein gutes Ankommen daheim. Alles Gute für Dich unbekannterweise.

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